Hilde und Henry im Hochzeitsstress

Es ist einige Zeit vergangen seitdem Hilde und Henry sich durch den Osterhasen kennen- und lieben gelernt haben. Mittlerweile hat Hilde ihr trautes Nest im Hühnerstall von Bauer Heinrich hinter sich gelassen und ist einen Hof weiter zu Henry gezogen. Dort bewohnt das gefiederte Paar nun die oberste Etage des Hühnerstalls.

Vor einigen Wochen hat Henry Hilde am großen Seerosenteich einen Heiratsantrag gemacht. Selbstverständlich hat Hilde ja gesagt und schwebt nun auf Wolke sieben … wäre da nicht der Hochzeitsstress. Einladungen müssen geschrieben werden, ein Ort, an dem die Feier stattfinden kann, muss gefunden werden und das wichtigste … Hilde braucht ein Brautkleid. All das macht die junge Henne mal wieder ganz schön hibbelig. Aber zum Glück ist Ostern bereits vorbei, sodass es dieses Mal nicht so schlimm ist, wenn Hilde vor lauter Aufregung keine Eier legen kann.

Nach und nach arbeiten Henry und Hilde alles ab, was es für die Hochzeit zu erledigen gilt. Wenige Tage vor der Hochzeit ist nahezu alles für das große Fest fertig. Eine alte Scheune zum Feiern ist gefunden, die ersten Gäste befinden sich bereits auf der Anreise, der Konditor bereitet die Hochzeitstorte vor und Henry hat zwei wunderschöne Eheringe für sich und Hilde gekauft. Eigentlich ist alles perfekt … eigentlich, denn Hilde hat immer noch kein Brautkleid.

In allen Nachbardörfern hat Hilde nach einem Brautkleid gesucht. Sogar in der großen Stadt war sie, doch das perfekte Kleid hat sie nirgends gefunden. Das macht Hilde nicht nur noch hibbeliger, sondern auch traurig und betrübt. Seit Tagen verlässt sie den Hühnerstall nicht und sieht so unglücklich aus, dass man nicht einmal im Traum daran denken würde, dass sie in wenigen Tagen heiratet. Die Hennen im Stall und selbst Henry wissen schon lange nicht mehr, was sie noch tun können, um Hilde aufzumuntern. Henry würde Hilde auch ohne Brautkleid heiraten. Aber, dass das für Hilde nicht in Frage kommt, ist ihm natürlich klar.

Als am Vortag der Hochzeit noch immer nicht das perfekte Brautkleid gefunden ist und Hilde nur noch zum Weinen zumute ist, beschließt Henry selbst noch einmal in der Umgebung nach einem Kleid für seine zukünftige Frau zu suchen.

Im Dorf angekommen steuert er auf das erste Brautmodengeschäft zu. Soeben will er die Tür öffnen, als Henriette ihm aus dem Laden entgegenkommt. Henriette ist die Vorsteherin in Hildes altem Hühnerstall und trifft sich oft mit ihr auf eine Tasse Tee.

„Henriette, was machst du denn hier?“, fragt Henry überrascht.

„Oh, Henry! Schön, dich zu sehen. Ich habe mir gerade ein Kleid für eure Hochzeit gekauft.“ erwidert die Henne freudestrahlend.  „Und was machst du hier, Henry?“

„Naja, ich suche ein Brautkleid für Hilde.“, sagt der Hahn betreten.

„Oh nein! Hat Hilde denn immer noch kein Kleid gefunden?“, fragt Henriette schockiert.

„Nein, noch nicht. Sie ist zutiefst betrübt und möchte die Hochzeit am liebsten absagen.“

Henriette ist entsetzt und hat großes Mitleid mit Hilde. „Naja, jede Braut möchte ein schönes Kleid haben und ich kann verstehen, dass Hilde sehr traurig ist. Aber bevor die Hochzeit ins Wasser fällt, lass mich dir helfen, Henry.“

Henry lächelt. „Du kannst mir helfen, Henriette? Wie denn?“

„Ich lasse mir schon etwas einfallen. Henriette hat mir bei unserem letzten Treffen von einem Brautkleid erzählt, von dem sie geträumt hat. Vielleicht habe ich ja Glück und finde etwas Ähnliches.“

„Das wäre wundervoll, aber ich glaube nicht, dass du einen Tag vor der Hochzeit ein solches Kleid finden wirst.“

„Lass das mal meine Sorgen sein, Henry. Geh du nur nach Hause. Du hast sicherlich noch genug für morgen vorzubereiten. Ich verspreche dir, Hilde wird morgen in ihrem Traumkleid vor dir stehen.“

Henry weiß gar nicht, was er sagen soll. Er freut sich zwar über Henriettes Hilfe, kann sich aber nicht vorstellen, dass sie das perfekte Kleid findet. Da es jedoch wirklich noch viel zu tun gibt, nimmt der Hahn Henriettes Angebot an und überlässt ihr die Suche nach dem Brautkleid.

Der restliche Tag geht mit den letzten Vorbereitungen ins Land. Betrübt und schluchzend dekoriert Hilde die Scheune. Immer wieder muss Henry sie trösten, in der Hoffnung, dass jeden Moment Henriette mit Hildes Traumkleid um die Ecke kommt. Es wird jedoch immer später und nach und nach begeben sich alle Bewohner des Bauernhofs zu Bett. Mit dicken Tränen in den Augen findet schließlich auch Hilde in den Schlaf.

Auch auf Bauer Heinrichs Hof ist Ruhe eingekehrt. Alles schläft … fast alles. Der Hühnerstall ist noch hell erleuchtet und man hört das Summen vieler kleiner Nähmaschinen. Erst spät in der Nacht verstummt das Geräusch und das Licht erlöscht.

Früh am nächsten Morgen erwacht Hilde als Erste auf dem Bauernhof. Noch etwas verschlafen bemerkt sie zunächst gar nicht das Paket, das vor ihr im Stroh liegt. Erst nachdem sie einmal ihre Federn aufgeplustert hat, sieht sie die Schachtel, an der sich ein Schild mit ihre Namen darauf befindet.

Ist das wohl ein Hochzeitsgeschenk von Henry, fragt sich Hilde. Vorsichtig zieht sie die Schleife ab und hebt langsam den Deckel der Schachtel an. Was das wohl sein mag? Hilde wird wieder ganz hibbelig. Als sie das Paket schließlich ganz geöffnet hat, traut sie ihren Augen kaum. „Juhu, ich habe endlich mein Brautkleid!“, schreit Hilde lauthals auf und nimmt ein wunderschönes Kleid aus der Schachtel. Rings um sie herum schreckt der ganze Hühnerstall auf. Das ist Hilde aber egal. Ihr rollen wieder dicke Tränen über die Federn, aber dieses Mal sind es Freudentränen, denn endlich halt Hilde ihr Brautkleid. Jetzt kann geheiratet werden.

Die Hochzeit wird schließlich so schön, wie Hildes Kleid. Das Brautpaar ist glücklich, die Gäste feiern ausgelassen und auch noch viele Wochen nach dem großen Fest spricht das ganze Dorf von diesem besonderen Tag und der wunderschönen Braut.

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